gefunden bei Ismael Jonas, Psychologe, Salzburg
Den Text muss ich behalten. Er beschreibt die Veränderungen so gut, besser kann ich das auch nicht.
Ich dachte immer, sein erster Satz "Ich würde mich selbst als tolerant, freiheitsliebend und gelassen beschrieben" würde auf mich zutreffen. "Ja," dachte ich, "ich mich auch!" Darum hab ich den ganzen Text gelesen. Inzwischen stimmt das nicht mehr. Ich bin immer noch freiheitsliebend, darum geht mir der Zustand der Welt ja auch zunehmen so ans Nervenkostüm. Aber so tolerant, wie ich mal war, bin ich nicht mehr. Und die Gelassenheit ist eine Maske geworden, die ich immer schwerer ertragen kann.
Hier kommt jetzt sein Text:
WARUM ICH IM ALTER IMMER EXTREMER WERDE - OBWOHL ICH DAS NIE WOLLTE
Ich würde mich selbst als tolerant, freiheitsliebend und gelassen beschrieben.
Diese Haltung ist kein Lifestyle, sondern mein innerer Kompass:
Jeder soll sein Ding machen. Solange er andere in Ruhe lässt.
Und diese Einstellung habe ich heute immer noch.
Und trotzdem merke ich: Ich gelte heute als „extrem“.
Nicht, weil ich radikaler geworden bin – sondern weil sich die Spielregeln verschoben haben.
Beispiel: Ich hatte nie etwas gegen Flüchtlinge. Im Gegenteil: 2016 habe ich mich bewusst entschieden, als Psychologe in diesem Bereich zu arbeiten. Nicht aus Ideologie, sondern weil ich helfen konnte – und gebraucht wurde.
Schon 2017 wurde mir klar:
Integration ist schwierig.
Komplex.
Das wird sehr, sehr anstrengend.
Aber genau darüber durfte man 2017 plötzlich nicht mehr sprechen.
Nicht, weil es falsch war – sondern weil es störte.
Damals wurde man noch nicht beschimpft.
Man wurde einfach ignoriert.
Dann kam Corona.
Und hier ist etwas Entscheidendes passiert.
Zum ersten Mal habe ich erlebt, wie massiv und grob in Freiheitsrechte eingegriffen wurde.
Noch schockierender war etwas anderes:
Wie viele Menschen in kürzester Zeit autoritär wurden – und es genossen.
Menschen, die sich überboten mit Fantasien darüber, wie man Ungeimpfte ausgrenzen, bestrafen, wegsperren sollte.
Das war kein Randphänomen.
Das kam aus der Mitte.
Nach Corona dachte ich – naiv, wie ich zugeben muss:
Jetzt ist es vorbei.
Migration abgeebbt.
Pandemie vorbei.
Zurück zur Normalität.
Das Gegenteil trat ein.
Eine neue Migrationswelle setzte ein.
Diesmal sichtbar.
Spürbar.
Das Stadtbild veränderte sich real – nicht gefühlt.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Kollegin aus der Flüchtlingsarbeit:
„Ist dir aufgefallen, dass plötzlich ganz andere Menschen auf den Straßen sind?“
Wir fanden das beide erschreckend.
Ab diesem Punkt war etwas neu:Wer das offen sagte, war kein Kritiker mehr – sondern „Nazi“.
Und parallel wurde die Öffentlichkeit im Unklaren gelassen, was hier eigentlich geschieht.
Dazu mehr ein anderes Mal. Es ist nämlich so, dass diese Massenmigration nicht zufällig passiert …
Seitdem beschleunigt sich alles.
Mit der Machtübernahme der Grünen kam eine Politik, die man nüchtern so beschreiben kann:
Sie hat einer ohnehin angeschlagenen Wirtschaft den Rest gegeben.
Was wir heute erleben, ist eine Spaltung, wie ich sie so noch nie gesehen habe.
Ich bin Debatten gewohnt.
Ich kann andere Meinungen aushalten.
Was ich heute sehe, ist jedoch etwas radikal anderes:
1. Moral ersetzt Argumente
Abweichende Positionen werden nicht widerlegt, sondern moralisch disqualifiziert.
Nicht „du irrst“, sondern „du bist schlecht“.
2. Sprache wird zur Waffe
Begriffe wie „rechts“, „unsolidarisch“, „Nazi“ dienen nicht mehr zur Beschreibung, sondern zur Ausgrenzung.
3. Medien und Politik verschmelzen ideologisch
Bestimmte Narrative werden nicht mehr geprüft, sondern vorausgesetzt.
Kritik gilt als verdächtig – nicht als notwendig.
Ich merke:
Meine Grundhaltung ist gleich geblieben.
Aber das Koordinatensystem hat sich so weit verschoben, dass ich heute als „extrem“ gelte.
Ich bin nicht glücklich darüber, dass ich so etwas schreiben muss.
Es sind nicht die Themen, mit denen ich mich eigentlich beschäftigen möchte.
Ich hätte andere, schönere Themen.
Aktuell schreibe ich ein Buch über das, was in unserer Gesellschaft geschieht – und über das, worauf es meiner Einschätzung nach hinauslaufen wird. Nicht aus Lust, sondern aus einem dringlichen Gefühl heraus. Dem Gefühl, dass wir auf der Kippe stehen.
In meinem eigenen Wirkungskreis habe ich immer versucht, eine Stimme der Vernunft und der Freiheit zu sein.
Doch ich spüre: Das reicht nicht mehr.
Ich schreibe nicht, weil ich will.
Ich schreibe, weil ich nicht länger tatenlos zusehen kann.
Vielleicht werde ich nicht radikaler.
Vielleicht verteidige ich einfach nur Werte, die einmal selbstverständlich waren:
Freiheit.
Debatte.
Realismus.
Und vielleicht ist genau das heute schon extrem genug.