Immer wieder, wenn ich über meinen kaputten Arm spreche und die Folgen daraus, oder über BamBams Tod kommt irgendwer mit dem Argument, dass Selbstmitleid auch nichts nützt.
Dem will ich nicht widersprechen. Selbstmitleid hilft bei Trauer überhaupt nicht weiter. Sich selbst jeden Tag zu bedauern hilft einem nur in die nächste Depression hinein und nicht wieder heraus. Ich stelle aber fest, dass ich mich sperre, wenn speziell mir jemand "empfiehlt", nicht in Selbstmitleid zu verfallen.
Ist es so schwer nachzuempfinden, dass eine körperliche "Beschädigung", oder der Verlust eines geliebten Menschen oder Tieres, jeden Tag aufs Neue bewältigt werden muss und das nicht alle Tage gleich gut gelingt?
Ist es Selbstmitleid, wenn ich am Jahrestag des Unfalls oder an BamBams Todestag traurig bin, wenn ich diese Tage nicht mit strahlendem Gesicht verbringen kann und zugebe, dass mir diese Ereignisse immer wieder mal hochkommen und mir klar machen, was da kaputt gegangen ist oder was ich verloren habe? Ich wiederhole, ich rede von Jahrestagen. Nicht davon, dass ich täglich jammere!
Dass ich mich z.B. beim Anziehen oder beim Toilettengang tatsächlich täglich verrenken muss, bis die Unterwäsche wieder sitz, dass ich das aber nur am Jahrestag mal der Rede wert finde. Ist es Selbstmittleid, dass ich das jeden Tag aufs Neue beschissen finde?
Wenn ich mich beim Duschen daran erinnere, wie gerne ich früher gebadet habe und das jetzt nicht mehr kann - darf mich das nicht traurig machen? Ist das dann Selbstmitleid?
Wenn ich beim Lesen meiner Reiseerlebnisse denke, dass solche Reisen mit BamBam schöner waren, als ohne ihn. Ist das Selbstmitleid?
Warum werde ich bei traurigen Einnerungen immer wieder gemahnt, nicht in Selbstmitleid zu verfallen? Das passiert ja nicht nur mir, das ist Standard, wenn ein Mensch Trauer zum Ausdruck bringt. Irgendeiner kommt immer mit dem guten Rat, nicht in Selbstmitleid zu verfallen. Ich lese das ja nicht nur bei mir, auch in Kommentaren bei Anderen.
Es geht mir mit diesem Beitrag weniger um mich, als um die Frage: Wie gehen andere mit Trauer allgemein um, wenn sie zur Sprache kommt? Wie gehen manche mit meiner Trauer um, wenn ich sie erwähne?
Es gibt solche Menschen, die einem die Trauer erlauben, Empathie bezeugen, einem verbal oder virtuell einfach mal auf die Schulter klopfen und mir zustimmen, dass es Mist ist, das aushalten zu müssen, dass man es aber doch bisher ganz gut weggesteck und Lösungen gefunden hat.
Und dann gibt es die, die mir mit einem "Selbstmitleid hilft nicht" klar machen, dass sie von meiner Trauer nichts wissen wollen, dass ich meine Trauer für mich behalten soll, oder dass ich ihnen mit meiner Trauer die Laune verderbe und ihnen mein "Selbstmitleid" ersparen soll. Steckt da nicht eher das dahinter? Ermutigend wirkt es doch eher nicht! Oder?





