Donnerstag, 5. März 2026

Was machst du?

 

Bild von Nile auf Pixabay

Existieren.
Wie existieren?
Naja, jeden einzelnen Tag überleben.
Hä? (Fluchtmöglichkeiten werden gecheckt.)
Und was machst du?
Och ... (lossprudelt, ohne Punkt und Komma: Ehrenamt, Hund, Sport, Kreativität)
Und woher nimmst du die Energie?
Ach, weißt du, das gibt mir alles sooo viel.
Ok, Hund versteh ich. Kreativität auch. Sport - naja, wenns schön macht. Aber Ehrenamt? Ist Ehrenamt nicht das, was eine Gesellschaft braucht, um soziales Versagen unserer Politiker zu kompensieren? Macht dich das nicht fertig, dass man dich dafür ausnutzt?
Oh mein Gott, Eve! (Hat plötzlich keine Zeit mehr.)

Ein solches Gesrpräch hat tatsächlich mal stattgefunden. 😂 

Aber im Ernst: Was macht man, um die Zeit des Existierenmüssens rumzukriegen? Sind schließlich jeden Tag 24 Stunden.

Man kann schlafen: Das gelingt mir zum Glück jeden Tag für 10 bis 12 Stunden, mit kleinen Spielchen auf dem Notebook, und fb,  dann ist die Hälfte schon geschafft.

Raus gehen! Frische Luft! Der Frühling kommt! Vitamin D! 
Ok. geh ich mal raus. Und was mach ich dann draußen? Fotografieren? Ich hab schon hundertausend Fotos von aller Umgebung Bergisch Gladbachs samt Umgebung der Umgebung. Ich brauch nicht noch eins. 
Einkaufen: ja, muss man. Müll rausbringen: ja, muss man. Ist aber alles schnell erledigt, füllt den restlichen Tag nicht aus.
Außerdem sind da Menschen. Überall sind Menschen. Sie sind laut, denn alle haben ein Handy, in das sie permanent hineinquatschen. Sogar die Kleinsten mit Windel am Arsch schauen im Maxi-Cosi schon auf ein Tablett. Sie sprechen türkisch, arabisch, russisch, ukrainisch, in dem Wissen, dass man sie zwar hört aber niemand sie versteht, kann also ruhig jeder hören, was sie sagen. Und alle sehen irgendwie gleich aus.  Deutsch? Englisch? Ja, hört man vereinzelt auch noch.

Kreativität, malen, zeichnen.
Ja, das ist gut, aber das geht auch relativ schnell. Und wenn man eine kreative Idee umgesetzt hat, ist nicht sofort die nächste da, darauf muss man dann ein bisschen warten. Füllt den restlichen Tag also auch nicht aus, und auch nicht jeden Tag, bleiben immer noch Stunden zur Existensbewältigung ohne Inhalt.

Lesen
Geht derzeit nicht. Geht mir die Konzentration laufen und das Hirn arbeitet an Dingen, an denen ich nicht gearbeitet haben will.

Schreiben
Das geht wider Erwarten gerade sehr gut. Denn Schreiben ist eine Fluchtmöglichkeit. In ein Parallel-Universum. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt und das Hirn lässt alles rauslaufen, was es hat. Vom Kopf in die Finger in die Tastatur. Was für eine Parallel-Welt? Was für ein Fluchtort? Alles fiktiv und dort ist alles zu finden, was das Leben lebenswert machen würde. Meins jedenfalls. Alles, was es im Leben nie gab, was aber dringend gebraucht worden wäre, um den kleinen See von Sarkasmus nicht zu einem Ozean anwachsen zu lassen. Nun ist da der Ozean, aber mitten drin schwimmt diese kleine Parallelwelt. Und da kann man sich stundenlang aufhalten während die Finger auf Tasten klimpern.

Tut das der Seele gut? Jein. So lange man dort ist, tut es gut. Aber man muss ja wieder zurück, zum einkaufen, den Müll raus bringen, in die Welt mit all den Menschen, die man nicht versteht. Das ist dann jedes Mal ein Schock, denn der Rückweg führt jedes Mal durch diesen Ozean von Sarkasmus.